Zum Inhalt springen
01Kultur

Horror statt Action: Zach Cregger und die Resident Evil-Debatte

In der aktuellen Debatte um Resident Evil weicht Regisseur Zach Cregger dem Vorwurf der reinrassigen Action aus und betont die horrorgeprägte Essenz des Franchise. Eine Analyse.

Leonie Fischer13. Juni 20262 Min. Lesezeit

Die Horrorliteratur im digitalen Zeitalter

Aktuelle Diskussionen um Zack Creggers Interpretation von Resident Evil werfen die Frage auf, was das Franchise wirklich ausmacht. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Film, Spiel und interaktiven Medien zunehmend verschwommen sind, bleibt die seelische Grundlage des Horrors ein entscheidender Punkt. Cregger hat sich gegen die weit verbreitete Meinung gewehrt, dass Resident Evil sich mehr der Action denn dem Horror zugewandt hat. Diese Perspektive, mögen manche sie als nostalgisch empfinden, ist jedoch ebenso wenig einseitig, wie sie simplistisch ist.

Die Videospielreihe Resident Evil hat ihren Ursprung in der klassischen Horrorliteratur und ist geprägt von einer Atmosphäre der ständigen Bedrohung. Die alten Spiele verfügten über eine Schockwirkung, die durch innovative Spielmechaniken und ein ausgeklügeltes Storytelling unterstützt wurde. Doch während die ersten Teile durch Zombiekämpfe und Residenzen voller Gefahren bestechen, haben die späteren Remakes und Fortsetzungen sich immer stärker auf Actionabläufe konzentriert, was in den Augen mancher Fans zu einer Entfremdung des ursprünglichen Geistes geführt hat. Cregger sieht sich nun in der Verantwortung, diesen Geist zurückzubringen; eine Aufgabe, die in Zeiten von Adrenalin überfließenden Actionspielen nicht einfacher wird.

Irrtümer der Fangemeinde

Die Kritiken, die Cregger begegnen, sind nicht neu, doch sie sind bemerkenswert in ihrem Default-Modus – der Annahme, dass mehr Explosionen gleich mehr Unterhaltung bieten. Die Gewohnheit, das Genre Horror mit einem übermäßigen Actionanteil zu verknüpfen, könnte als eine Art dreidimensionale Flucht aus der Realität gedeutet werden. Gleichzeitig reflektiert sie eine verständliche Sehnsucht der Zuschauer nach Aufregung in einer immer gleichförmiger werdenden Unterhaltungslandschaft. Cregger stellt jedoch klar, dass mit dem Fokus auf Horror eine tiefere Emotion angestrebt wird: das Grauen im Unbekannten.

Die Ironie ist, dass die leidenschaftlichsten Fan-Kritiken oft die von Menschen stammen, die das Urheberrecht des Horrors für sich reklamieren. Sie sind die, die in der Dunkelheit der Spielwelten nach dem Nervenkitzel suchen und sich dann beschweren, wenn der Rückblick auf das Horrorerbe nicht den Erwartungen ihrer Spektakel-Illusion entspricht. Cregger knüpft an diese Diskrepanz an und fragt, ob es wirklich notwendig ist, den modernen Horror so radikal von den traditionellen Elementen zu trennen.

Die Identität von Resident Evil ist als Franchise somit nicht nur eine Frage der Spielmechanik, sondern auch eine kulturelle, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Cregger, mit seinem individuellen Ansatz, könnte hier tatsächlich einen wertvollen Dienst leisten: den Horror neu zu definieren, statt ihn in die Glieder der Action zu pressen. Die Frage bleibt, ob die Fangemeinde das akzeptieren kann, ohne die gewohnte Form des Spannungsaufbaus zu vermissen.

Aus unserem Netzwerk